© 2004 Mahiro Maeda・GONZO/MEDIA FACTORY・GDH
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Wenn man Leute nach den wichtigsten Romanen der Zeitgeschichte fragt, bekommt man die typischen Antworten: Robinson Crusoe, Don Quijote, Stolz und Vorurteil, Die Abenteuer des Tom Sawyer oder der Glöckner von Notre-Dame. Unter diese Werke gesellt sich unter Garantie auch Alexandre Dumas “Der Graf von Monte Christo“ (im Original „Le Comte de Monte-Cristo“) aus dem Jahre 1844. Die Geschichte rund um den Hauptcharakter Edmond Dantès, der, nachdem ihm ein Verbrechen angehängt wurde, welches er nicht verbrochen hat, Rache an seinen Verschwörern schwört, ist zeitlos und gilt zurecht als einer DER Klassiker der Weltliteratur. Die Geschichte ist sogar so zeitlos, dachte sich Studio Gonzo im Jahre 2004, dass man einen Anime auf Basis des Romans kreiert hat, der sich jedoch statt Anfang des 19. Jahrhunderts im Jahre 2053 abspielt. „Gankutsuō“ (hierzulande “Der Graf von Monte Christo – Gankutsuō“) ist das Resultat dieser doch recht gewagten Kombination. Was wir von „Der Graf von Monte Christo – Gankutsuō“ halten, und ob der schwierige Spagat zwischen klassischem Roman und moderner Sci-Fi gelingt, erfahrt ihr in dieser Review.

Achtung, ab dieser Stelle wie gewohnt: Spoiler voraus!!!

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Ein Festival der Schrecken

Es ist das Jahr 2053. Albert de Morcerf aus Paris besucht mit seinem besten Freund Franz den Karneval auf dem Planeten Luna. Während dieses Karnevals trifft Albert auf den so genannten Grafen von Monte Christo. Dieser Mann fasziniert Albert so sehr, dass er mit allen Mitteln versucht ihn kennen zu lernen. Tatsächlich gelingt ihm dies auch, nachdem er eine vom Grafen vergessene Taschenuhr findet und sie ihm zurückbringen möchte. Nachdem sie gemeinsam zu Abend gegessen haben, lädt der Graf die beiden zu den öffentlichen Hinrichtungen am nächsten Tag ein. Wie besessen von seiner Faszination für den Grafen nimmt Albert die Einladung dankend an, nicht ahnend, was ihn erwarten wird.

Der Tag der Hinrichtungen bricht an, und Albert sitzt gemeinsam mit Franz und dem Grafen bei einer Tasse Tee über dem Platz, auf dem die Hinrichtungen stattfinden. Insgesamt werden drei Männer hingerichtet: Einer, der glaubwürdig beteuert unschuldig zu sein, ein Zweiter, der ihm nachspricht und ein Dritter, der zugibt, bereits Menschen umgebracht zu haben. Da schlägt der Graf den beiden jungen Adligen ein Spiel vor: Auf dem Tisch liegen drei Karten und der Graf verfügt über einen Gnadenbrief des Kardinals von Luna. Jede Karte steht für einen der Verurteilten. Jetzt soll Albert eine der Karten wählen, ohne zu wissen, wen er damit rettet. Nach viel Zögern, und der klaren Ablehnung von Franz, entscheidet sich Albert für die Karte, die den Mann repräsentiert, der über seine Taten prahlt. Die beiden anderen Verurteilten werden umgebracht. Von Schuldgefühlen geplagt zieht Albert allein durch die Straßen von Luna, um sich abzulenken.

Wie konnte ich nur auf ihn reinfallen?

Voller Schuldgefühle irrt Albert durch die Straßen von Luna auf der Suche nach Ablenkung. Diese findet er auch, als ein hübsches Mädchen sich zu ihm an den Kanal setzt und mit ihm spricht. In seinem Leiden lässt er sich auf das Mädchen ein und gemeinsam gehen sie, als es Mitternacht schlägt, an einen etwas privateren Ort, um intim zu werden. Eines hat Albert dabei nicht bemerkt: Das Mädchen ist Teil einer berüchtigten Verbrecherbande auf Luna, die reiche Menschen entführt und dafür hohe Lösegelder fordert.

Gleichzeitig hat auch Franz es geschafft eine Dame zu bezirzen und sitzt bei ihr zu Hause, während sie duscht. Er macht sich große Sorgen um Albert, da er von Banditen auf Luna gehört hat, wegen denen man sich nach 12 Uhr nicht auf den Straßen aufhalten sollte. Krank vor Sorge geht er, statt sich der Fleischeslust hinzugeben, zurück zum Hotel, um sicher zu gehen, dass es seinem besten Freund gut geht. Doch es kommt anders: Vor dem Hotel wartet der Bandit, dem Albert das Leben gerettet hat, und erklärt Franz was mit ihm passiert ist. Außerdem fordert er ein Lösegeld von 5 Millionen Francs für seine Freilassung. Verzweifelt eilt Franz zu seiner Bank und anderen Freunden, die er auf Luna kennengelernt hat, bis er sich schlussendlich dazu entscheidet, den Grafen von Monte Christo um Hilfe zu bitten. Dieser stürmt mit seinen Gefolgsleuten den Unterschlupf der Banditen, in dem sich besonders das Mädchen, das Albert gelockt hat, um diesen gekümmert hat und seinen Tod genug hinauszögern konnte. Leider wurde sie dabei schwer verletzt, sodass der Graf sie mit sich nimmt. Dabei stellt sich heraus, dass es sich bei dem Mädchen namens Peppo um gar kein Mädchen handelt, sondern um einen hübschen Jungen in weiblicher Bekleidung.

Im Heim des Grafen angekommen spricht Albert dem Grafen seine Dankbarkeit aus und möchte ihm zum Danke seine alte Taschenuhr zurückgeben. Der Graf zeigt sich sehr dankbar über die Geste und schenkt Albert eben diese Taschenuhr. Albert, gerührt von der Großzügigkeit des Grafen, erklärt, dass er ihm jeden Wunsch erfüllen würde, solange dieser in seinem Ermessen liege. Der Graf erwidert, dass er bald die Residenz in Paris aufsuchen wird und bittet Albert, ihn seinen Kontakten in der Stadt vorzustellen, um gut in der Stadt anzukommen.

Was hat der Graf nur vor?

Franz und Albert sind endlich wieder bei ihren Familien in Paris. Gemeinsam mit Freunden und ihren Verlobten Valentine de Villefort und Eugénie Danglars fahren die beiden in die Natur, um ein gemeinsames Picknick zu genießen. Dort lernen sie den Soldaten Maximillien Morrel kennen. Dabei stellt sich heraus, dass scheinbar weder Franz noch Albert Gefühle für ihre Verlobten haben. Gleichzeitig landet das Schiff des Grafen in Paris. Als Erstes macht er sich auf den Weg zum Hause der de Morcerfs, wo ihn Albert freudig in Empfang nimmt. Auch sein Vater, Fernand de Morcerf, sowie seine Mutter, Mercedes de Morcerf, sind anwesend und laden den Grafen zum Abendessen ein. Während jenes Abendessens wird Bouillabaisse á la Marseillaise gereicht, was den Grafen an seine Vergangenheit erinnert. Albert bemerkt indes immer wieder, dass seine Mutter mit melancholischen Blick auf den Grafen starrt. Später erwischt er sie außerdem, wie sie mit einem ihm unerkennbaren Foto auf ihrem Balkon steht und dieses Bild ansieht. Was hat es nur mit dem Grafen auf sich? Und was hat er in Paris vor?

Bild und Animation

Volume 1 von „Der Graf von Monte Christo – Gankutsuō“ wurde in 1080p und 16:9 gemastert. Da der Anime etwas älter ist, wirkt er an der ein oder anderen Stelle etwas unscharf, was jedoch keine Kritik an der Umsetzung von KSM, sondern mehr mit dem Alter des Original-Animes geschuldet ist. Insgesamt sind die meisten Szenen jedoch scharf und klar.

Visuell ist „Der Graf von Monte Christo – Gankutsuō“ ein ganz besonderer Anime – in vielerlei Hinsicht. Erst einmal möchten wir jedoch negativ bemerken, dass das CG in einigen Szenen leider gar nicht gut gealtert ist und uns teilweise tatsächlich ein Dorn im Auge war. Abseits dieses Negativpunkts gibt es jedoch nahezu nur Positives zu vermelden. Viele Texturen und Hintergründe in „Der Graf von Monte Christo – Gankutsuō“ basieren auf surrealer und Ukyo-e Kunst und bewegen sich entgegen den Konventionen nicht mit den Charakteren mit. Stattdessen sind sie wie ein Kunstwerk, das je nach Position des Charakters einen unterschiedlichen Teil des Bildes zeigt. Das sorgt für einen einzigartigen Look, der in Teilen wirklich trippy sein kann. Am besten ist der Art-Style mit den Hexenlabyrinthen aus „Puella Magi Madoka Magica“ zu vergleichen. Insgesamt hat uns der Anime visuell gefallen, auch wenn der Stil auf Dauer anstrengend werden kann.

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Ton und Synchronisation

Erst einmal die technischen Daten: Der Anime ist auf der Disc mit japanischem und deutschem Ton verfügbar, ersteres natürlich mit deutschen Untertiteln. Während die japanische Vertonung auf DTS 2.0 gemastert wurde, hat man für die deutsche Vertonung ein 5.1 Master bereitgestellt. Insgesamt ist der Ton sehr klar und man kann deutlich das Gesprochene von Hintergrundgeräuschen und der Musik unterscheiden. Das sorgt für ein sehr angenehmes Hörerlebnis, welches nicht durch zu laute oder leise Segmente gestört wird.

„Der Graf von Monte Christo – Gankutsuō“ hat zu seinem Release in Deutschland auch eine deutsche Synchronisation erhalten. Diese ist hervorragend geworden. Die Sprecher sind gut gewählt und man hat nie das Gefühl, dass irgendein Satz durch eine mögliche Fehlübersetzung seltsam klingt. Insbesondere die Emotionen der verschiedenen Charaktere, wie auch Intentionen (gute, wie auch böse/niederträchtige) kann man spielend leicht aus den Stimmen heraushören. Diese Synchron-Qualität hat uns wirklich erfreut. Auch möchten wir einzelne Synchronsprecher besonders hervorheben. Dabei handelt es sich um Torsten Münchow als Graf von Monte Christo, Henning Nöhren als Albert de Morcerf sowie Marion von Stengel als Mercédès de Morcerf. Von Stengel schafft es immer wieder zwischen der Melancholie in ihrer Stimme, wenn der Graf in der Nähe ist, und einer mütterlichen Stimme hin und her zu wechseln. Nöhren gelingt es indes hervorragend eine Mischung aus Neugierde und Interesse, Freundlichkeit und Sorge in einer fantastischen Performance zu vereinen. Münchow als der Graf erreicht unserer Meinung nach jedoch nochmal ein anderes Level. Nicht nur hat er jedes Folgenintro in Französisch eingesprochen und dabei die Worte präzise und gut ausgesprochen, sondern auch eine atemberaubende Performance als der Graf abgelegt. Die Mischung aus gehobener Sprache und tiefer Stimme, aber auch Niedertracht und dem Wunsch nach Rache lässt den Grafen wirklich zum Leben erwachen. Wir waren von der deutschen Synchronisation insgesamt wirklich sehr angetan.

Physische Umsetzung

Wie ihr es von uns schon kennt, hat die physische Umsetzung des Produkts keinen Einfluss auf die Gesamtwertung des Reviews. Dieser Abschnitt dient mehr dazu, euch ein Bild von dem zu vermitteln, was euch als Käufer erwartet. Dabei beziehen sich alle Beschreibungen auf die Blu-Ray-Fassung des ersten Volumes von „Der Graf von Monte Christo – Gankutsuō“.

Das Volume kommt in einem Digipack daher. Als Motiv erkennt man auf der Vorderseite den Grafen und Albert Rücken an Rücken stehend. Das FSK-Logo ist nicht auf den Schuber oder auf das Digipack aufgedruckt und wurde stattdessen auf das Papier-Overlay verbannt. Auf der Innenseite sieht man eine Illustration des Grafen von Monte Christo in Form eines Gemäldes. Als Extras liegen zwei doppelseitig bedruckte Art Cards sowie ein Mini-Poster bei.

Fazit

„Der Graf von Monte Christo – Gankutsuō“ ist keine leichte Kost. Das ist der Roman von Alexandre Dumas jedoch auch nicht, sodass dies die logische Konsequenz ist. In vielen Aspekten hat uns die Story verwirrt und kurzzeitig verloren, ist jedoch insgesamt trotzdem sehr interessant und unterhaltsam. Die Charaktere sind fast alle interessant und multi-dimensional geschrieben. Auch der Art-Style kann beizeiten zwar etwas verwirrend wirken, ist jedoch alles in allem visuell wirklich interessant, auch wenn hier und da etwas veraltetes CG das Gesamtbild etwas trübt.

Die deutsche Synchronisation von „Der Graf von Monte Christo – Gankutsuō“ tut allerdings ihr Übriges, um den Anime zu einer wirklichen Bereicherung im Regal eines jeden Anime-Fans zu machen. Eine gute Übersetzung und eine starke Sprecherperformance sorgen für eine deutsche Vertonung, die man wahrlich als ebenbürtige Alternative zur Original-Vertonung bezeichnen kann. Für Fans von Anime-Klassikern ist „Der Graf von Monte Christo – Gankutsuō“ definitiv ein No-Brainer. Auch Fans des Vorlagen-Romans und von Sci-Fi-Thematiken kommen hier voll auf ihre Kosten.

Review: Der Graf von Monte Christo – Gankutsuō Vol. 1 [Blu-ray]
7.8 / 10 Team
Handlung7
Charakterentwicklung6.5
Animation7
Synchronisation9.5
Unterhaltung9

Allgemeine Daten

Veröffentlichung: 19. August 2021

Publisher: KSM Anime

Genre: Mystery, Sci-Fi

Laufzeit: 188 Minuten

FSK: 12

Bild: 1080p

Ton/Sprache: DTS 5.1 (Deutsch), DTS 2.0 (Japanisch)

Untertitel: Deutsch

Serie im Handel entdecken:
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Handlung:

Im Jahre 5053 weilen die beiden jungen Adligen und Freunde Albert de Morcerf und Franz d’Epinay auf Luna, um den jährlichen Karnevals-Festlichkeiten beizuwohnen. Sie suchen die Aufregung und eine letzte Gelegenheit sich vor ihren arrangierten Ehen noch einmal zu vergnügen. Das erhoffte Abenteuer und noch viel mehr finden sie in Person des unergründlichen Grafen von Monte Christo, einem ebenso kultiviert-charmanten, wie bedrohlich-mysteriösen Lebemann von unbekannter Herkunft. Besonders Franz ist von dieser einzigartigen Gestalt fasziniert, doch tritt die sinistre Seite des Grafen immer mehr in den Vordergrund: Die Rache ist sein, koste es, was es wolle!


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