©2017 REKI KAWAHARA/KADOKAWA CORPORATION AMW/SAO-A Project ©BANDAI NAMCO Entertainment Inc.

Sword Art Online hat neben der Animeserie und Filmen auch schon diverse Videospiele hervorgebracht. Mit „Sword Art Online Alicization Lycoris“ gibt es nun auch ein Spiel zur dritten Staffel der Serie. Wir haben es getestet und wie es uns gefallen hat, erfahrt ihr in unserer Rezension.

Nah am Anime und doch fernab

„Sword Art Online Alicization Lycoris“ startet fulminant mit dem Kampf zwischen Administrator und Kirito und nimmt somit das Ende der Handlung der ersten Hälfte des Anime vorweg. Dieser Kampf dient allerdings nur als kurzes Kampftutorial und so geht es kurze Zeit später von Beginn an los, als Kirito in einem Wald erwacht und sein Gedächtnis verloren hat, so dass er auch nicht weiß, wie er dort hingekommen ist und wo er sich befindet. Die Geschichte orientiert sich zu Beginn dann sehr stark am Anime. Man trifft Eugeo, man lernt das Dorf kennen und man muss Selka vor Goblins retten. Als Erinnerung, falls der Beginn von Staffel 3 schon etwas her ist oder man die Staffel noch gar nicht kennt, ist die Story gut und verständlich erzählt, wenn man sie allerdings noch im Gedächtnis hat, kann die Erzählweise etwas ermüden. Später werden einige Geschehnisse in Zeitsprüngen beschleunigt und kurz nacherzählt. Die Handlung erstreckt sich über das gesamte erste Kapitel (von insgesamt 6). Ab Kapitel 2 weicht die Handlung dann jedoch vom Anime ab, was vermutlich darauf zurückzuführen ist, dass das Spiel parallel zu den weiteren Animefolgen entwickelt wurde. Das ist aber auch gut so, da das erste Kapitel wenig Neues bereit gehalten hat.

Actionreiches Kampfsystem in einer großen Welt

Das Kampfsystem des Spiels ist auf Echtzeit ausgelegt. Man kann Gegner direkt anvisieren und angreifen, entweder mit Sprungangriffen oder mit normalen Angriffen. Durch Angriffe bekommt man Spezialpunkte (SP), die man direkt in starke Spezialattacken investieren kann, von denen pro Charakter vier parallel ausrüstbar sind. Zudem kann man die vier Steuerkreuztasten mit Kurzbefehlen belegen, z.B. für Heilitems oder Kampffertigkeiten, die bestimmte Boni gewähren. Den Charakter wechseln kann man auch per Knopfdruck, was schnell und unkompliziert funktioniert. Weiterhin gibt es einen Knopf fürs Blocken, was den erlittenen Schaden mindert oder beim richtigen Timing sogar neutralisiert. Es gibt auch eine „Kunstanzeige“, die sich auflädt und die man mit vollen Balken für spezielle Techniken entfesseln kann, wobei die Kämpfe dann wie in Zeitlupe für den Gegner laufen und man sich nur selbst normal bewegen kann oder man mächtige Attacken mit seinen Teammitgliedern ausführt. Neben Spezialattacken kann man auch heilige Künste einsetzen. Diese können einmal dem Angriff dienen, aber auch außerhalb von Kämpfen genutzt werden, z.B. zur Heilung oder um schneller zu laufen.

Das Aufleveln erfolgt automatisch, wenn man durch Aufträge oder besiegte Gegner genügend Erfahrungspunkte (EP) gesammelt hat. Beim Levelaufstieg erhält man zudem Skillpunkte, die man in neue Attacken oder aktive sowie passive Fertigkeiten investieren kann. Diese gelten aber für alle Charaktere, sodass das Verbessern etwas eingeschränkt und nicht für jeden Charakter individuell ist. Erlernt man also eine neue Attacke oder einen neuen Skill, dann kann man jeden Charakter im Menü damit ausrüsten.

Die Spielwelt ist recht groß und nach dem schleppenden Beginn frei erkundbar. Dabei gibt es vielerlei Dinge zu entdecken und unterwegs findet man immer Pflanzen, Erze und andere Utensilien zum Einsammeln. Nebenaufträge kann man sich bei Einwohnern der Spielwelt oder an bestimmten Steinstatuen abholen. Damit man sich nicht verläuft, kann man sich zudem immer eine Minikarte anzeigen lassen, auf der der Weg zur nächsten Hauptquest mit Pfeilen markiert ist. Beides kann aber auch ausgeschaltet werden. Die zahlreichen Nebenquests wirken nach einiger Zeit leider sehr repetitiv und bieten wenig Finesse. Meist handelt es sich um simple Jagdaufträge oder Sammelquests, bei denen man oft unnötig viele Gegner besiegen oder Items einsammeln muss, um sie erfolgreich zu absolvieren. Da sich selbst Kämpfe gegen einfache Gegner oft in die Länge ziehen, sind diese Quests nicht wirklich motivierend.

Neustart ab Kapitel 2

So richtig geht das Spiel erst im zweiten Kapitel los, was etwas schade ist, da man für Kapitel 1 durchaus 10 Stunden oder mehr braucht und es am Ende wie ein zähes, langgezogenes Tutorial wirkt. Den typischen Charme der SAO Videospiele bekommt das Spiel dann in Kapitel 2. Ein Charakter-Editor wird freigeschaltet, mit dem man seinen eigenen Charakter erstellen kann, auch wenn man weiterhin Kirito in den Szenensequenzen sieht, was dieses Feature etwas trübt und zudem etwas sinnlos erscheinen lässt. Weiterhin sind die anderen SAO-Charaktere, wie Asuna, Silica, Sinon oder Liz, in der virtuellen Welt angekommen und man kann sie im Team haben, mit ihnen interagieren und auch seine Beziehung verbessern. Leider ändern sich storybedingt oft automatisch die Teams, sodass man sein Team des öfteren nach einer Cutscene wieder neu anordnen muss, was auf Dauer nerven kann oder einen in die Situation bringt, dass man alleine oder mit einem anderen Team plötzlich einen schweren Kampf bestreitet und daher fliehen muss. Da die Story ab dem Kapitel vom Anime abweicht, lernt man auch neue Dinge und Handlungen kennen, die auch für SAO-Veteranen interessant sein können. Leider sind aber viele Missionen der Hauptstory ab Kapitel 2 sehr repetitiv und man erledigt oft die immer gleichen oder ähnlichen Aufgaben, was nur selten zwischendurch von etwas interessanteren Quests unterbrochen wird.

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Es ist nicht alles Gold was glänzt

Das Spiel zeigt sich leider zu Beginn nicht von seiner besten Seite, denn das erste Kapitel zieht sehr sich langsam hin und stellt eher eine Art riesiges Tutorial dar. Man scheitert an unsichtbaren Barrieren, die verhindern, dass man zu Beginn schon überall hin kann, es gibt einige Dialoge, die man durch Knopfdruck nicht beschleunigen kann (höchstens komplett überspringen) und man kann wenig und nur eingeschränkt selbst agieren. Für Kenner der Story, die sich direkt ins Abenteuer stürzen möchten, ist das etwas zäh und langwierig und wird erst ab Kapitel 2 besser, auch wenn man dort zu Beginn auch keine absolute Bewegungsfreiheit hat. Neben der Grafik, die nicht auf Topniveau der aktuellen Konsolengeneration ist, ist es auch schade, dass man durch einige Personen und Gegenstände einfach durchlaufen kann. Zudem sind bei Dialogen die Lippenbewegungen teilweise sehr asynchron zu den Stimmen. Was spielerisch für Rollenspielfans etwas die Stimmung drücken kann sind einige Limitationen. So gibt es Zeitsprünge und Ortswechsel, die plötzlich im Spiel geschehen. Das ist zwar gut, um das Erzähltempo der Handlung voranzubringen, allerdings ärgerlich, wenn man noch offene Nebenaufträge hat, die man nur noch beim Auftraggeber abgeben muss und damit dann lange Zeit warten muss, bis man wieder an die vorherigen Orte gelangen kann. Schön wären da mehr Freiheiten gewesen oder wenigstens eine Warnung, dass man ab diesem Punkt erstmal für einige Zeit nicht in die Gebiete zuvor zurückkehren kann. Ein weiterer Minuspunkt ist das Verhalten der Gegner. Diese agieren oft nicht sehr glaubwürdig. So kommt es oft vor, dass mehrere Gegner einer Art direkt nebeneinander stehen und während man einen von ihnen angreift, bleiben die anderen einfach weiter stehen ohne zu helfen oder zu flüchten. Die Knopfbelegung ist auch nicht optimal, so kommt es häufiger vor, dass man sich den Weg zum Questziel anzeigen lassen möchte, stattdessen aber mit seinen Verbündeten redet, da man beides mit dem gleichen Knopf auslöst.

Grafik

Die Grafik von „Sword Art Online Alicization Lycoris“ ist, wie bei fast allen SAO-Spielen bisher, nicht auf dem absolut grafischen Topniveau. Die Farben sind zwar grell und abwechslungsreich und in den Sequenzen sind die Figuren auch gut animiert, jedoch wirkt das gesamte Spiel insgesamt, als ob es auch auf der Playstation 3 möglich gewesen wäre. Die Texturen sind dazu manchmal zu grob und es ploppen Bäume oder Personen teilweise aus dem Nichts auf. Bewegt man sich gar zu schnell, so sieht man manchmal den Marker einer Person im Nichts schweben, aber die Person ist noch nicht erschienen und man muss mehrmals hin und her laufen, bis diese erscheint, um interagieren zu können. Bei den Tales of Spielen, die Namco Bandai ebenfalls produziert, sieht man, dass man auch etwas schönere Animegrafiken hinbekommen kann. Zudem kommt es leider auch zu heftigen Performance-Einbrüchen, wenn man gegen mehrere Gegner gleichzeitig kämpft.

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Ton und Musik

Die Musik und Vertonung sind gut gelungen. Die Synchronisation der wichtigen Dialoge überzeugt mit den japanischen Stimmen und auch die Musik ist passend gewählt und untermalt die Reise in die fantasyreiche Welt sehr. Die Kampfgeräusche können auf Dauer etwas nervig sein, aber dessen ist man sich bewusst, wenn man ein SAO-Spiel kauft. Tontechnisch hat das Spiel vieles richtig gemacht, von den Melodien bis zu den guten japanischen Synchronstimmen.

Fazit

„Sword Art Online Alicization Lycoris“ hat Potential, denn es ist das Spiel zu einem großartigen Anime, das die Geschichte gekonnt nacherzählt, wenn auch manchmal zu langatmig für Kenner der Serie. Spielerisch kann es dieses Potential in vielen Fällen leider nicht abrufen. Die Gegner agieren unnatürlich, die Haupt- und Nebenquests sind sehr monoton gehalten und die Limitationen der Bewegungsfreiheit gerade zu Beginn des Spiels unnötig nervig. Der gelungene Soundtrack und die tolle Synchronisation reißen das Ganze zwar wieder etwas heraus, aber leider weist die Grafik eher durchschnittliches Niveau mit schlechter Performance auf und hat ab und zu auch ihre Fehler. So bleibt es letztlich ein 08/15-Rollenspiel, mit dem SAO-Fans durchaus Spaß haben können, von dem aber spielerisch kein Meilenstein zu erwarten ist.

Spiele-Review: Sword Art Online Alicization Lycoris [PlayStation 4]
5.9 / 10 Team
Handlung6
Grafik4
Musik8
Spielspaß5.5
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