© 2020 Gin Zarbo/Altraverse GmbH

Erst vor wenigen Tagen ist der erste Band von Gin Zarbos neuem Werk „Das Geheimnis von Scarecrow“ offiziell bei altraverse erschienen. Passend zu dem Start in diese neue Geschichte durften wir der Manga-ka einige Fragen zu ihrer Person, ihrer Arbeit und dem neuen Titel stellen.

An dieser Stelle gilt unser besonderer Dank Gin Zarbo selbst, die sich trotz der vielen Arbeit die Zeit für unsere Fragen genommen und diese ausführlich beantwortet hat. Zudem bedanken wir uns auch besonders beim Verlag altraverse, der das Ganze organisiert und möglich gemacht hat.

Anmerkung: Nachfolgend werden wir der Einfachheit halber AnimeNachrichten mit AN abkürzen, während Gin Zarbo einfach mit Gin betitelt wird.

Wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen!


AN: Hallo Gin, wir freuen uns sehr und möchten uns herzlich dafür bedanken, dass du dir die Zeit für unser Interview nimmst. Viele unserer Leser kennen dich sicher bereits durch Conventions oder deinen Manga „Undead Messiah“. Vielleicht könntest du für alle anderen kurz ein wenig zu dir erzählen?

Gin: Mach ich doch gern! Hallo zusammen, ich bin die Manga-ka Gin Zarbo, habe italienische und dominikanische Wurzeln, lebe in der Schweiz und zeichne seit meiner frühen Kindheit leidenschaftlich Manga. Ich zeichne schon seit über 15 Jahren und wollte bereits mit 13 Manga-ka werden. 2014 habe ich im Eigenverlag meinen Doujinshi „Cope Soul“ veröffentlicht und danach erschien zwischen 2017-2019 „Undead Messiah“ bei Tokyopop. Jetzt bin ich bei altraverse und arbeite an meinem neuesten Projekt „Das Geheimnis von Scarecrow“.

Meine Hobbys sind: Zeichnen, Zeichnen, Zeichnen, ach und dann noch Spazieren, Wandern, Lesen, Filme und dann wieder Zeichnen, Zeichnen, Zeichnen. (lacht)

AN: In Japan gibt es für angehende Manga-ka spezialisierte Akademien oder man kann als Assistent eines etablierten Zeichners arbeiten, um zu lernen und sich zu verbessern. Beides ist in Europa kaum möglich. Wie hast du also das Zeichnen gelernt? Und wie hast du es geschafft, in diesem Bereich ein so hervorragendes Niveau zu erreichen?

Gin: „Hervorragendes Niveau“? Ich?! Haha, oh Gott …! Ich werd noch rot! Vielen Dank! Doch ich bin gefühlt noch weit davon entfernt. Seit ich mit 8 oder 9 Jahren die ersten Anime gesehen habe, versuchte ich die Figuren nachzuzeichnen. Dann bekam ich zum 13. Geburtstag meinen allerersten Manga, Naruto. Ich habe jede einzelne Seite abgezeichnet. Ein wenig später habe ich mir dann andere Titel, wie Bleach, Dragonball, D.Gray-Man usw. dazu geholt und sie studiert, analysiert. Ich wollte ihre Stile verstehen und kopieren, vor allem war ich damals sehr von Tite Kubos (Mangaka von Bleach) Stil angetan. All das war tatsächlich ein ständiges Abzeichnen, bis ich eines Tages beschloss, mir einen eigenen Stil anzueignen.

Aber ganz ehrlich, ohne die Hilfe meiner Schwester Ban hätte ich das niemals geschafft. Wir haben die jeweils andere immer kritisiert und wollten uns stets übertreffen. Wie es Joachim Kaps, mein Redakteur einst perfekt auf dem Punkt brachte, haben wir eine Art Atelier-Atmosphäre erschaffen. Denn ich denke, wenn sich Künstler gegenseitig pushen, können sie sich auf diese Weise weiterentwickeln. Noch heute halte ich diese Beziehung mit Ban aufrecht, wir helfen und ergänzen uns gegenseitig. Ich hab noch immer das Gefühl, dass ich noch eine Menge lernen muss. Es gibt immer Luft nach oben. Meiner Meinung nach sollte man nicht aufhören nach etwas Höherem zu streben.

AN: Du arbeitest beim Zeichnen lieber analog statt digital. Gibt es dafür bestimmte Gründe?

Gin: Ja, die Technik hasst mich (lacht). Nein … Die Technik hat mich schon immer im Stich gelassen und die Angst war zu groß, dass meine Daten, die harte Arbeit, die dahintersteckt, irgendwann mal wegen einer Panne verloren geht. Daher spezialisierte ich mich hauptsächlich auf das traditionelle Zeichnen. Ich habe mich schlichtweg daran gewöhnt und liebe es einfach mit Feder und Tusche zu arbeiten. Es ist auch ein richtig tolles Gefühl nach einem Band die ganzen Seiten in den Händen zu halten.

Ich hatte das digitale Zeichnen mal ausprobiert, aber die Lines und die Effekte kamen nicht so rüber, wie ich sie haben wollte. Nur mit Rastern bin ich komplett übergegangen, weil es erstens billiger ist und zweitens viel schneller geht. Jetzt muss ich mich nicht mehr mit Rasterfetzen rumschlagen, die sich sogar ins Bett reinschmuggeln und piksen, haha.

Für Gin ist es ein besonders tolles Gefühl die ganzen Seiten eines fertigen Bandes in den Händen zu halten! (Bild: © Gin Zarbo; Quelle: @gin_zarbo via Twitter)

AN: Bei altraverse startet nun dein neues Werk „Das Geheimnis von Scarecrow“. Was würdest du sagen, welche Leser unbedingt einmal einen Blick in deine neue Geschichte werfen sollten?

Gin: Hm … schwierig. Ich will es am liebsten jedem empfehlen, aber es ist wohl nicht möglich, alle auf meine Story aufmerksam zu machen. Sicher ist, dass die Geschichte Fantasy-Elemente, Mystery, Action, Horror, Humor und etwas Liebe beinhalten wird. Also, von allem etwas. Lest doch einfach mal rein und bildet eure eigene Meinung dazu (zwinker).

AN: Gibt es etwas, das du von deiner Arbeit an „Undead Messiah“ mitnehmen konntest, das dir nun bei deinem neuen Titel besonders weitergeholfen hat?

Gin: Definitiv das Storytelling. In „Undead Messiah“ war ich eine Katastrophe, weil meine Gedanken ziemlich wirr waren. Mein damaliger Redakteur musste mir ständig aus der Patsche helfen. Er zeigte mir, wie ich eine Handlung aufbauen kann und welche Szenen ich hinzufügen oder streichen soll. Das Storyboard vom ersten Kapitel musste ich 6 mal neu zeichnen, weil es inhaltlich einfach nicht passte. In jedem Kapitel wollte ich mich steigern und dabei meinem Redakteur beweisen, dass ich es einigermaßen drauf hatte. Ich fühlte mich wie in „Bakuman“. (lacht)

Die Mühe hat sich schlussendlich gelohnt. In Band 3 von Undead Messiah hatte er kaum noch was zu sagen. Er meinte auch, dass ich mich gegen Ende zu einer guten Autorin gemausert habe. Ich habe ihm vieles zu verdanken, denn bei „Das Geheimnis von Scarecrow“ konnte ich endlich das Gelernte umsetzen. Ich fühle mich jetzt sicherer und weiß ganz genau was ich will.

AN: Der männliche Protagonist in „Das Geheimnis von Scarecrow“ hat das Aussehen einer Vogelscheuche. Kannst du uns ein wenig zur Konzeption dieses Charakters verraten?

Gin: Wie man sieht, habe ich mir als Referenz diverse Vogelscheuchen genommen, denn Scarecrow war tatsächlich erstmal nur ein Charakter, den ich für eine Inktober-Challenge anfertigte. Weil meine Community in den Social-Media-Kanälen Interesse an Scarecrow zeigte, habe ich die Figur weitergesponnen und mir ein paar Ideen für eine Story über ihn notiert. Vom Inktober-Charakter wurde er zu einer richtigen Illustrationsfigur. Scarecrow-Poster und Merchandise Artikel, die ich auf Messen als Künstler angeboten habe, kamen überraschend gut an. Viele fragten mich, ob es Scarecrow bald auch als Manga geben würde. Das war wirklich nur eine Frage der Zeit.

Als sich dann altraverse für Scarecrow interessierte, musste ich mich tiefer mit dem Charakter befassen. Es entstanden Story-Konzepte und Charakter-Sheets. Als ich Scarecrows Charakter entwarf, mit Backstory etc., dachte ich, ich würde ihn kennen. Doch als er seinen ersten Auftritt im Manga hatte, hat er sich verselbstständigt und war so gar nicht, wie ich ihn mir vorgestellt habe, haha. Aber wenn die Charaktere beginnen ein Eigenleben zu entwickeln, muss das doch ein gutes Zeichen sein.

AN: Die erste Idee mit eingerechnet, wie lange arbeitest du mittlerweile bereits an „Das Geheimnis von Scarecrow“ und was glaubst du, wie lange dich die Arbeit an dieser Reihe in Zukunft noch beschäftigen wird?

Gin: Puh, wow! Wenn ich wirklich von der ersten Idee mitrechne, sind das insgesamt schon 4 Jahre. Also die ersten 3 Bände sind geplant, die restlichen 3 oder 4 ergeben sich dann irgendwie, weil ich gerne meine Charaktere den Weg bestimmen lasse. Das Worldbuilding hab ich absichtlich ins Detail ausgearbeitet, damit ich daraus immer wieder neue Episoden schreiben kann. Die Wendepunkte stehen natürlich überall fest, aber wann genau sie auftauchen werden, überlasse ich meinen Charakteren. D.h., dass ich immer frische Ideen auf Lager haben werde, wenn es eine Fortsetzung gibt.

AN: Gab es bisher bei der Arbeit an „Das Geheimnis von Scarecrow“ etwas, das du besonders herausfordernd fandest und wenn ja, was?

Gin: AAAARGH! SCARECROWS HAARE! Die sind katastrophal, haha! Die sind jedesmal eine Herausforderung. Die gelingen mir nie richtig und verändern sich ständig. Die Veränderung ist zwischen dem 2. Kapitel und 3. Kapitel sehr deutlich erkennbar. Aber irgendwann mal schaffe ich es, diese Haare zu bändigen!

AN: Neben einer Standard-Edition gibt es auch eine ganz besondere Sammlerausgabe des ersten Bandes mit vielen Extras, u.a. zwei Acrylfiguren. Das zeugt auch davon, wie viel Vertrauen der Verlag schon vor dem Verkaufsstart in deine neue Geschichte steckt. Wie fühlt sich das für dich an? Und wie lief die Arbeit an den Extras dieser speziellen Ausgabe ab?

Gin: Ich bin noch immer sehr begeistert davon, wie viel Mühe altraverse in mein Projekt gesteckt hat. Vor allem mein Redakteur Jo hat an dieser Idee mit der Box festgehalten und sich für die Umsetzung eingesetzt. Er hat fest an das Projekt geglaubt. Natürlich war die Angst da, ihn und das altraverse-Team zu enttäuschen und ich war vorerst von dieser Idee sehr besorgt bzw. ein gewisser Druck war schon da. Aber das habe ich ihnen nie gesagt. Tja, jetzt ist es raus. Denn sie glaubten an mich und an das Projekt, daher versuchte ich auch daran zu glauben. Jedes Extra wurde mit mir genau abgesprochen. Jo lieferte einige Ideen, ich natürlich auch und dazu viele Entwürfe und Illustrationen. Doch die Umsetzung war sehr aufwendig. Jo musste alles koordinieren und Richtungen vorgeben. Glücklicherweise lief alles gut und die Box erschien in ihrer vollkommenen Pracht.

Als die Collector’s Edition kurz vor der Auslieferung stand, platzte ich vor Aufregung und Sorge. Kurz darauf konnte ich mein Glück und die Erleichterung kaum fassen, als ich hörte, dass die CE sogar vor dem offiziellen Erscheinungstermin verlagsvergriffen war. Meine Angst wandelte sich augenblicklich in Stolz um. Ich werde altraverse und meinen Lesern auf ewig dankbar sein, für diese Glücksgefühle, die sie mir während den Tagen vor und nach der Veröffentlichung beschert haben.

Die schicken Extras der Collector’s Edition von „Das Geheimnis von Scarecrow“ umfassen neben zwei Chibi-Aufstellern von Scarecrow und Engell auch ein Booklet, einen Metallic-Sticker sowie einen exklusiven Artprint mit einer Nachricht von Gin. (Bild: © 2020 Altraverse GmbH)

AN: Hast du zum Schluss vielleicht noch eine Mitteilung an unsere Leser?

Gin: Falls ihr mein neuestes Werk „Das Geheimnis von Scarecrow“ noch nicht kennen solltet, bitte ich euch herzlichst einen kurzen Blick reinzuwerfen. Ich habe mit diesem Projekt vieles vor und würde mich überaus freuen, wenn ihr mit mir in das neue Abenteuer schreitet. Danke im Voraus! Gin over and out! 😀


Über Das Geheimnis von Scarecrow:

Gin Zarbo startete ihre Reihe „Das Geheimnis von Scarecrow“ mit der Veröffentlichung des ersten Bandes am 11. September 2020. Damit kehrt die Manga-ka gut ein Jahr nach Ende ihres vorherigen Werkes „Undead Messiah“ mit einer neuen Geschichte zurück, die Fantasy-, Mystery-, Action-, Horror-, Comedy- und Romance-Elemente miteinander vereinen wird. Neben einer Standard-Version des ersten Bandes, veröffentlichte altraverse auch eine Collector’s Edition mit schicker Box und einigen Extras, die jedoch bereits vor der offiziellen Veröffentlichung verlagsvergriffen war.

Trailer:
Darum geht es:

Die Menschen stehen in einem ständigen Kampf mit den Crows, finsteren Monstern, die an riesige Krähen erinnern. Die Legende besagt, dass ihnen dabei einst die Scarecrows zur Seite standen, eines Tages aber auf geheimnisvolle Weise verschwanden.

Engell, die Tochter des Königs, glaubt fest daran, dass es die Scarecrows wirklich gegeben hat, und macht sich auf die Suche nach ihnen. Doch als sie tatsächlich einen von ihnen findet, nimmt das eigentliche Abenteuer erst seinen Lauf …

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