Review: Violet Evergarden Vol. 1 [Blu-Ray]

©Kana Akatsuki, Kyoto Animation/Violet Evergarden Production Committee

Seit dem 10. August 2018 ist das erste Volume der Animeserie „Violet Evergarden“ offiziell auf DVD und Blu-Ray im deutschen Handel erhältlich. Wir haben uns den Release von Universum Anime für euch natürlich einmal genauer angesehen. Wie uns die erste Zeit nach dem Krieg gemeinsam mit Violet gefallen hat, verraten wir euch in unserer Review.

Achtung, ab dieser Stelle wie gewohnt: Spoiler voraus!!!

Der Krieg ist vorüber

Gleich zu Beginn der Geschichte von Violet Evergarden bekommen wir es mit der namensgebenden Titelheldin zu tun. Die junge Violet liegt in einem Krankenhaus, wo die Verletzungen behandelt werden, die sie sich als Mitglied der Armee bei Kampfhandlungen im Krieg zugezogen hat. Der Krieg ist jedoch mittlerweile vorüber und im Land Leidenschaftlich ist wieder ein wenig Ruhe eingekehrt.

Violet hat in der finalen Schlacht des Krieges, in dem sie gemeinsam mit ihrem Vorgesetzten Gilbert Bougainvillea, den sie meistens nur den Major nennt, gekämpft hat, beide Hände verloren, die nun durch metallene Prothesen ersetzt wurden. Im Krankenhaus versucht sie gerade dem Major einen Brief zu schreiben, da ihr bisher niemand gesagt hat, was aus ihm geworden ist. Plötzlich taucht dort jedoch Claudia Hodgins, ein ehemaliger Offizier der Armee, auf, der laut seinen Angaben von Gilbert den Auftrag bekommen hat, sich um Violet zu kümmern. Er findet das junge Mädchen dabei ein wenig deplatziert vor. Einen Großteil ihres Lebens hat sie dem Training für den Kampf gewidmet und ist nun, am Ende des Krieges, ein wenig verloren. Auf Fragen nach dem Befinden des Majors reagiert Hodgins übrigens recht eindeutig, auch wenn Violet sein Verhalten nicht zu interpretieren weiß. Überhaupt fehlt dem Mädchen ein grundlegendes Verständnis jedweder Emotion, was im Verlauf der Geschichte noch zum Leitmotiv avanciert.

Alles im Zeichen der Briefe

Hodgins nimmt Violet in seine Obhut und bringt sie in die Hauptstadt Leiden. Dort angekommen wird Violet schnell ein Teil der CH Postal Company, einem Postservice, den Hodgins ins Leben gerufen hat. Die Menschen der Nachkriegszeit, die sich dringend mit Briefen mitteilen möchten, jedoch überwiegend nicht schreiben können, haben den ehemaligen Soldat zur Gründung der Firma verleitet.

Violet wird dort zunächst mit der Aufgabe des Zustellens von Post vertraut gemacht, hat jedoch immernoch den letzten Satz im Hinterkopf, den sie vom verwundeten Major Gilbert auf dem Schlachtfeld zu hören bekam: „Ich liebe dich.“

Um herauszufinden, was diese Worte bedeuten, möchte sie den Berufsweg einer autonomen Korrespondenzassistentin (kurz: AKORA) einschlagen. Dabei handelt es sich um Frauen, die beim Postservice angestellt sind und im Auftrag der Kunden Briefe verfassen. Violet lernt dabei zunächst einmal das Schreiben mit der Schreibmaschine, das für diesen Beruf unerlässlich ist und sich trotz ihrer Handprothesen schnell als eine ihrer Stärken erweist. Schwieriger wird es dabei schon mit dem Inhalt der Briefe. Meistens geht es nämlich nicht nur darum, das gesprochene Wort des Kunden exakt wiederzugeben, sondern die Kunst besteht darin, die oft versteckte Gefühlsbotschaft aus den Worten und Gesten der Auftraggeber herauszulesen und zu Papier zu bringen.

Eine Schule für autonome Korrespondenzassistentinnen

Violet wird von Hodgins Team dabei ganz unterschiedlich aufgenommen. Während Iris dagegen ist, das Mädchen mit dem emotionalen Unverständnis weiter zu beschäftigen, was freilich auch daran liegt, dass Violet durch ihr Unwissen recht schnell die ersten Kundenbeschwerden auf den Plan ruft, schafft sie es unbewusst die stille Erica mit der Geschichte über den Grund ihres Wunsches, als autonome Korrespondenzassistentin zu arbeiten, für sich zu gewinnen.

©Kana Akatsuki, Kyoto Animation/Violet Evergarden Production Committee

Natürlich stellen die Beschwerden der Kunden und Violets emotionales Unvermögen auch Hodgins vor ein gewisses Problem, so dass er das junge Mädchen in einen Kurs für angehende AKORAs schickt, in der Hoffnung, dass sie dies ein wenig weiterbringt. Im Kurs ist Violet dabei stets die Beste, wenn es um das Schreibtempo oder die Rechtschreibung und Grammatik geht, doch mit den Emotionen hat sie weiterhin Probleme, so dass sich ihre Briefe fast immer wie Militärberichte anhören. Sie freundet sich jedoch schnell mit ihrer Kurskameradin Luculia an. Deren einzige Familie ist ihr Bruder Spencer, der glücklicherweise aus dem Krieg zurückgekehrt ist – wenn auch mit einer Behinderung des Beins. Seitdem lässt sich dieser jedoch gehen und ist dem Alkohol übermäßig zugeneigt. Ihre Eltern haben die beiden Geschwister im Krieg verloren.

©Kana Akatsuki, Kyoto Animation/Violet Evergarden Production Committee

Erst als die beiden Mädchen nach Ende des Kurses, den Violet auf Grund ihrer klaren Schwächen des emotionalen Verständnisses nicht bestanden hat, zusammensitzen, öffnet sich Luculia ihrer Freundin gegenüber, die erstmals Anzeichen zeigt, dass sie die Emotionen eines anderen Menschen versteht. Violet gelingt es nämlich mit einem kurzen Brief, der die Gefühle ihrer Freundin jedoch exakt auf den Punkt bringt, Bruder und Schwester einander wieder näherzubringen. Das führt dazu, dass sie den Lehrgang zur AKORA nachträglich doch noch besteht. Grund ist auch Luculia, die der gemeinsamen Lehrerin von Violets Brief berichtet.

Fokus auf die Charakterentwicklung

Kommt die Charakterentwicklung in vielen Animes oft zu kurz, ist sie in Violet Evergarden im Grunde gleichbedeutend mit der Haupthandlung der Serie. Dabei liegt der Fokus auf der Wandlung der jungen Violet, die sich selbst als eine Art Werkzeug und Waffe betrachtet, hin zu einer emotionalen Frau mit tiefgehendem Verständnis der Gefühle ihrer Mitmenschen. Auslöser dieser Wandlung ist neben dem plötzlichen Frieden nach dem Krieg, der Violet, die nur die Armee kennt, im Grunde in eine Art Daseinskrise stürzt, vor allem auch dieser eine letzte Satz des Majors, an den sich das Mädchen wie an einen Strohhalm klammert: „Ich liebe dich.“

©Kana Akatsuki, Kyoto Animation/Violet Evergarden Production Committee

Die ersten drei Episoden, die uns Universum Anime im ersten Volume von Violet Evergarden liefert, zeigen Violet dabei ganz am Anfang ihres emotionalen Reifeprozesses. Zunächst einmal fokussiert man sich darauf, die einzelnen wichtigen Charaktere vorzustellen und den Zuschauer mit Violets Situation und ihrer Vergangenheit vertraut zu machen. Erst ganz langsam zeigen sich erste Veränderungen in der jungen Frau, die am Ende der drei Episoden in ihrem ersten gelungenen Brief münden, der jedoch nicht einfach nur Ergebnis harten Trainings ist, sondern aus Violets Wunsch heraus entsteht, ihrer neuen Freundin Luculia in deren schwieriger familiärer Lage zu helfen. Die Stärken des Anime liegen dabei vor allem auch in seiner Subtilität und dem Fokus auf Details.

Bild und Animationen

Zunächst einmal zu den klaren Fakten: Natürlich kommt Violet Evergarden im Standardformat von 16:9 daher und wird uns in einer Auflösung von 1080p präsentiert. Damit thematisiert man jedoch nur die Rahmenbedingungen dessen, was der Zuschauer hier bildlich tatsächlich geboten bekommt.

Die Animationen der Serie sind dabei neben dem zuvor erwähnten Fokus auf die Charakterentwicklung die eigentliche Stärke des Anime. Kyoto Animation hat hier ein bildliches Referenzwerk erschaffen, das nicht nur mit Farben, sondern vor allem auch mit Licht spielt. Das fällt beispielsweise in Szenen auf, in denen Leiden im Licht des herannahenden Sonnenuntergangs erstrahlt, ist jedoch auch ein wichtiges Mittel beim Fokus auf die Details. Dabei fallen beispielsweise immer wieder die Lichtspiegelungen in Violets Brosche auf.

Der enorme Fokus auf die Details zeigt sich jedoch in vielfältiger Form. Ein weiteres Beispiel sind die gelungenen und flüssigen Animationen von Violets mechanischen Prothesen. Dabei hat man jedoch nicht nur darauf abgezielt, einfach ein Meisterwerk in Sachen Animation auf den Bildschirm zu zaubern, sondern nutzt die zuvor angesprochenen Details auch geschickt aus, um gewissen Handlungsstellen die nötige Tiefe oder entsprechenden Nachdruck zu verleihen. Das gelingt dabei sehr gut, da sich die Bilder im Gedächtnis der Zuschauer einzubrennen scheinen.

©Kana Akatsuki, Kyoto Animation/Violet Evergarden Production Committee
Ton und Synchronisation

Der Ton der Serie wird dem Zuschauer im qualitativ hochwertigen DTS HD-MA Format geliefert und kommt als Stereotonspur daher. Neben der deutschen Synchronisation erwartet den Käufer dabei natürlich auch der japanische Originalton mit deutschen Untertiteln. Qualitativ gibt es am Ton dabei nichts auszusetzen. Sicherlich fehlt dem Ganzen auf einem Surroundsystem ein wenig der Druck, das ist jedoch kein Problem, da sich die Serie nahezu komplett auf Dialoge und eher leise Hintergrundmelodien beschränkt, die die Handlung geschickt untermalen. Für diese Zwecke reicht der gelieferte Ton vollkommen aus, dessen Qualität schließlich sehr gut ist.

Die deutsche Synchronisation der Serie dürfte vielen Käufern vielleicht bereits von Netflix bekannt sein. Der Streaming-Anbieter zeigt den Anime bereits seit geraumer Zeit in deutscher Sprache und gab die Synchronisation auch ursprünglich in Auftrag. Das mag zunächst einmal wie ein Nachteil klingen, bedenkt man, dass Publisher Universum Anime eigentlich immer für hervorragende deutsche Lokalisierungen bekannt ist, hier jedoch auf ein fertiges Produkt zurückgreifen musste. Tatsächlich erweist sich diese Sorge jedoch als weitestgehend unbegründet, denn die Synchronisation ist durchaus gut gelungen. Gerade Violet stellt eine Synchronsprecherin mit ihrer emotionslosen Art, die sich jedoch im Serienverlauf immer mehr wandelt, sicherlich vor eine große Herausforderung, die Paulina Rümmelein jedoch sehr gut gemeistert hat. Insgesamt lässt sich festhalten: Besser geht vermutlich immer, doch die deutsche Synchronisation bewegt sich auf jeden Fall auf gutem Niveau. Wer dennoch unzufrieden sein sollte, der hat aber ja auch noch das japanische Original zur Auswahl.

Physische Umsetzung

Wie bereits von uns gewohnt: Die physische Umsetzung des Produkts ist natürlich wieder kein wertungsrelevanter Punkt unseres Reviews, dient euch als potenziellen Käufern, jedoch als Beschreibung dessen, was ihr erwarten könnt. Die folgende Beschreibung und die Bilder beziehen sich dabei auf die limitierte Blu-Ray-Version des ersten Volumes von Violet Evergarden.

Violet Evergarden Volume 1 kommt in einer schicken Klappschachtel aus stabiler Pappe daher, deren umschließenden Pappschuber man auf Front und Rückseite passenderweise im Design eines Briefs gehalten hat. Auf ein aufgedrucktes FSK-Zeichen konnte man dabei zum Glück verzichten. Ein solches findet sich nur auf dem verlängerten Backflyer, der ansonsten eine detaillierte Beschreibung des Boxinhalts und eine kurze Handlungszusammenfassung aufweist. Die Klappbox selbst wird dabei von einem schicken Motiv geziert, das Violet neben dem Fluss in Leiden zeigt.

Öffnet man die Box, findet man dort zunächst das 40-seitige Softcover Booklet vor, das sehr interessante Informationen zu den Charakteren und den Schauplätzen, aber beispielsweise auch zur fiktiven Welt des Anime im Allgemeinen oder zur in der Serie verwendeten Schrift enthält. Darunter kommen drei wunderschöne Imageboards zum Vorschein, die Protagonistin Violet in unterschiedlichen Situationen zeigen. Zudem sind drei Artcards enthalten, auf denen diesmal Claudia Hodgins sowie die beiden AKORAs Erica Brown und Cattleya Baudelaire abgebildet sind.

Darunter findet der Käufer dann die eigentliche Disc vor, die neben den ersten drei Episoden des Anime auch umfangreiche digitale Extras in Form der „Japanischen Kinotour Teil 1“ mit deutschen Untertiteln und dem Textless Opening & Ending beinhaltet.

Fazit

Mit Violet Evergarden liefert uns Universum Anime eine Veröffentlichung, die komplett vom klaren Fokus auf den emotionalen Reifeprozess ihrer Titelheldin lebt. Dabei lassen die ersten drei Episoden vermutlich nur erahnen, wie emotional der Anime tatsächlich noch werden kann. Dafür legt man mit der Beschreibung von Violets grundlegender Situation und mit ihren ersten Reifeschritten bereits das entsprechende Fundament.

Gleichzeitig brilliert die Serie mit ihren hervorragenden Animationen, die von wunderbaren Lichteffekten und der Liebe zum Detail geprägt sind. In diesem Bereich hat Kyoto Animation mit Violet Evergarden auf jeden Fall eine kleine Referenz erschaffen. Gepaart mit einer guten deutschen Synchronisation und mit einer schicken physischen Veröffentlichung, bei der sich Käufer auf umfangreiche Extras freuen können, wird die Serie zum klaren Kauftipp für all jene Zuschauer, die sich von einem Anime gerne einmal auf emotionaler Ebene berühren lassen. Wer für seine persönliche Unterhaltung zwingend umfassende Action benötigt, der ist hier aber natürlich völlig fehl am Platz!

Review: Violet Evergarden Vol. 1 [Blu-Ray]
8.4 Team
Handlung7.5
Charakterentwicklung8.5
Animation10
Synchronisation8
Unterhaltung8
ALLGEMEINE DATEN
Violet Evergarden Vol. 1 @Universum Anime ©Kana Akatsuki, Kyoto Animation/Violet Evergarden Production Committee

Veröffentlichung: 10. August 2018

Publisher: Universum Anime

Genre: Slice-of-Life, Drama

Laufzeit: ca. 72 Minuten

FSK: 12

Bild: 1080p

Ton/Sprache: DTS HD MA 2.0 Deutsch und Japanisch

Untertitel: Deutsch

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Handlung:

Violet wurde im Krieg einst als „Waffe“ eingesetzt – sie kennt keine Emotionen und handelt ausschließlich nach Befehlen. Nach dem Krieg wird sie mit neuen, metallenen Armen aus dem Hospital entlassen und ihrem ehemaligen Vorgesetzten Hodgins übergeben. Dieser vermittelt Violet eine Anstellung in einem Postunternehmen als sogenannte „Autonome Korrespondenz Assistentin“, wo sie für die größtenteils analphabetische Bevölkerung Briefe verfasst. Dabei lernt sie viel über die Formen von Gefühlen, Emotionen und Liebe. Jeder Auftrag bringt sie dabei ihrem Ziel näher: die Worte zu begreifen, die ihr ein ganz besonderer Mensch einst auf dem Schlachtfeld anvertraute …


Alle Reviews auf AnimeNachrichten.de spiegeln die Meinung des jeweiligen Autors wider.

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