Spiele-Review: Tales of Vesperia: Definitive Edition [Playstation 4]

© BANDAI NAMCO Entertainment Europe S.A.S

Die Tales of Spielereihe von Namco Bandai ist eine der erfolgreichsten Anime-RPG-Reihen innerhalb und mittlerweile auch außerhalb Japans. Tales of Vesperia war nach Tales of Symphonia das zweite Spiel der Reihe, das es nach Europa geschafft hat. 2008 erschien das Spiel für die Xbox 360 (2009 erst in Europa) und 2009 auch für Playstation 3, allerdings nur in Japan. Über 10 Jahre später ist es jetzt soweit, dass auch europäische Spieler aller Konsolen der aktuellen Generation in den Genuss dieses JRPGs kommen, denn Tales of Vesperia erscheint in einer Definitive Edition für Nintendo Switch, Playstation 4 und Xbox One.

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Handlung

Tales of Vesperia spielt in einer Welt namens Terca Lumireis, welche von Monstern heimgesucht wurde und in der sich die Menschen in ihren Städten verschanzen. Sogenannte Blastia, Maschinen mit kristallähnlichen Steinen, erschaffen von einer alten Zivilisation, schützen die Menschen dabei vor den Monsterhorden und lassen sie in Frieden leben. Doch die nützlichsten Blastia sind den Adeligen und Reichen vorbehalten, da sie für allerlei nützliche Zwecke verwendet werden können.

Der Hauptprotagonist des Spiels, Yuri Lowell, gehört nicht zu dieser elitären Schicht. Er lebt in der Unterstadt der kaiserlichen Hauptstadt Zaphias und verfolgt zunächst einen Magier, der den Aqua-Blastia der Unterstadt gestohlen hat und damit eine Überschwemmung auslöste. Bei dieser Jagd landet Yuri im Gefängnis der Hauptstadt, schafft es aber zu fliehen und trifft dabei Estellise Sidos Heurassein, Prinzessin des Kaiserreichs. Diese wird aus unbekannten Gründen ebenfalls von den Wachen verfolgt und zusammen schaffen sie es, das Schloss durch einen Geheimgang zu verlassen.

Unterwegs treffen die beiden auf weitere Personen, wie das Gildenmitglied Karol, die junge Magierin Rita oder die Sperrkämpferin Judith, die sich dem Trio aus Yuri, Estelle und Yuris Hund Repede anschließen und ein Abenteuer erleben, bei dem das Schicksal der Welt auf dem Spiel steht. Natürlich dürfen viele Storywendungen – einige leicht vorherzusehen, andere schwieriger – nicht fehlen, wie sie im Storyplot bei Tales of Spielen typisch sind. Doch diese gilt es selbst zu erfahren.

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Klassische Kämpfe

Das Kampfsystem hat seinen ursprünglichen Stil beibehalten und ist damit einfacher gehalten als die neueren Tales of Spiele, deren Kampfsystem komplexer als das der alten Teile ist und die auch ein aufwendigeres Level-Up System besitzen. Bei Tales of Vesperia greift man hauptsächlich mit zwei Tasten an. Die Kreistaste ist für normale Angriffe, die X-Taste für besondere Artes, die MP verbrauchen. Je nachdem, welche Richtungstaste man zusammen mit der Angriffstaste drückt, werden unterschiedliche (im Fall der Artes vorher festgelegte) Angriffe ausgeführt. Normale Angriffe, die treffen, füllen die MP-Leiste langsam wieder auf. Mit der Quadrat-Taste kann man abwehren und die Dreiecks-Taste öffnet das Menü, in dem man Items verwenden oder die Taktik ändern kann. Weiterhin ist es im Kampf möglich, die Charaktere per Tastendruck zu wechseln (sobald freigespielt) und auch bei gedrückter L2-Taste frei auf dem Schlachtfeld herum zu laufen. Ab einem bestimmten Punkt im Spiel gibt es zusätzlich noch eine Überlimit-Leiste, die sich mit erfolgreichen Angriffen auffüllt und bei voller Ladung ausgelöst werden kann und den Charakter für eine gewisse Zeit stärkt. Zudem sind besonders starke Attacken, sogenannte explosive Artes, im Überlimitmodus verfügbar.

Nach dem Kampf gibt es dann Erfahrungspunkte durch die man Levels aufsteigt. Die Attribute werden anschließend automatisch erhöht und man selbst hat keine Möglichkeit, seine Charakterentwicklung aktiv zu beeinflussen. Lediglich das Verteilen von bestimmten Fertigkeiten bietet eine individuelle Anpassungsmöglichkeit der Charaktere.

Klein und doch groß

Tales of Vesperia gehört zu den Tales of Teilen mit einer Weltkarte, auf der man sich frei bewegen kann, was nicht bei jedem Tales of Spiel der Fall ist. Die Welt kann anfangs nur zu Fuß bereist werden, doch im weiteren Spielverlauf bekommt man die Möglichkeit per Schiff und Fluggerät jeden Winkel des Planeten zu erkunden. Zufallskämpfe gibt es dabei nicht. Gegner laufen frei sichtbar in Dungeons und auf der Weltkarte herum. Berührt man diese, kommt es zum Kampf in einem extra Kampfbildschirm. In den Dungeons hat man mehrere Möglichkeiten einen Kampf zu beginnen. Mit Hilfe eines speziellen Items kann man Gegner beschießen. Dann werden sie entweder gelähmt, sodass man vorbeilaufen kann, erzürnt und greifen sofort an oder sie taumeln benommen und so hat man zu Beginn des Kampfes einen direkten Vorteil. Wird man von einem Gegner allerdings von hinten erwischt, dann startet ein Überraschungsangriff mit Nachteilen. So werden beispielsweise die kämpfenden Charaktere per Zufall ausgesucht (nur vier Personen können am Kampf teilnehmen).

Während die Welt sehr groß ist, sind die einzelnen Dungeons das genaue Gegenteil. In oft schlauchförmigen Gebieten wird einem immer der genaue Pfad vorgegeben mit einigen kurzen Abzweigungen, an deren Ende oft Schatztruhen oder besonders starke Gegner lauern. Das ist leider etwas schade, da deswegen auch eigentlich weitläufige Dungeons wie Wälder sehr beengt und leblos wirken. Was aufgrund der schieren Größe der Welt auch etwas bedauerlich ist, ist das komplette Fehlen von Nebenquests. Es gibt zwar ein paar wenige NPCs, die ein Anliegen haben, welches durch Tropfen über dem Kopf des Charakters angedeutet wird, diese Aufgaben sind aber meist in wenigen Sekunden oder Minuten erledigt und werden auch in keinem Questbuch oder dergleichen festgehalten. Man ist hauptsächlich mit der Story und dem Aufleveln der Charaktere beschäftigt. Das hätte man durch Nebenaufgaben interaktiver und spannender gestalten können. Zwar gibt es ein paar wenige besonders starke Gegner, die man beim ersten Zusammentreffen oftmals noch nicht besiegen kann, jedoch wäre es spannender gewesen, diese durch eine Quest oder ähnliches zu bezwingen.

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Qual der Wahl

Eine der schwersten Entscheidungen des Spiels ist es, ein perfektes Kampfteam zusammen zu stellen. Zwar verlassen einige Charaktere immer mal zwischenzeitlich die Gruppe aus unterschiedlichen Gründen, doch am Ende gibt es neun Charaktere, von denen nur vier aktiv am Kampfgeschehen teilhaben können. Tröstender Weise gibt es aber auch Erfahrungspunkte für alle Mitglieder, die nicht kämpfen. Jeder Charakter hat dabei seine Stärken, die es clever zu kombinieren gilt. Ob man dabei auf Nahkampf, Heilzauber, Angriffszauber oder Fernkampfwaffen setzt, hat mit der Wahl der jeweiligen Charaktere zu tun, denn jeder Charakter hat eine bestimmte Kategorie an nutzbaren  Waffen, die sich nur in seltenen Fällen untereinander tauschen lassen. So sind Bögen nur für Raven nutzbar, Dolche nur für die kleine Piratin Patty und Gürtel oder Riemen kann nur die Zauberin Rita einsetzen. Lediglich zwischen Yuri, dem Ritter Flynn und Prinzessin Estellise lassen sich einige Schwerter für mehr als einen Protagonisten verwenden.

Auch optisch bekommt man im Laufe der Zeit die Gelegenheit, seine Charaktere mit einigen Accessoires zu verschönern. Jeder Charakter kann allerdings nur ein Gimmick tragen. So muss man sich entscheiden, ob beispielsweise auf Yuris Hund Repede ein Wackel-Yuri sitzen soll, er eine zweite Pfeife im Maul halten soll oder ob Repede eine Notfallflasche, wie Bergrettungshunde sie haben, um den Hals trägt. Auch alternative Kostüme können die einzelnen Charaktere tragen, die im Spiel und in Zwischensequenzen angezeigt werden. Diese reichen von Tierkostümen bis hin zu Schuluniformen.

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Neu und alt

In Hinsicht auf die Originalversion bietet die Definitive Edition einige Extras. So sind die Piratin Patty und Kindheitsfreund und Ritter Flynn erst jetzt spielbare Charaktere. Zudem gibt es einen neuen Hauptdungeon und einen Zusatzdungeon, der nach Abschluss des Spiels verfügbar ist. Weiterhin wurden neue Gegner, Artes, Kostüme, neu aufgenommen Musikstücke, Plaudereien, Full-HD-Grafik und Gegenstände in die Definitive Edition integriert, die im Original nicht vorhanden waren. Im Kolosseum sind bei Gruppenkämpfen nun auch weitere Optionen möglich und es ist erstmals möglich, Szenen zu überspringen, was beim mehrmaligen Durchspielen oder bei Szenen, nach denen man Game Over gegangen ist, sehr hilfreich sein kann.

Leider weist das Spiel auch die typischen repetitiven Elemente der Tales of Reihe auf. Es gibt relativ wenig Gegnertypen, die in verschiedenen Farben und Formen immer wieder recycled werden. Das stört den Spielfluss nur minimal, kann jedoch als etwas ermüdend wahrgenommen werden, wenn man zum fünften Mal auf die optisch nur leicht veränderte gleiche Art von Fledermaus oder Wolf trifft. Etwas mehr Variabilität und Vielfalt wäre wünschenswert gewesen. Auch gibt es für die Tales of Reihe typische Situationen, in denen sich die Gruppe trennt und man nicht in gewohnter Stammbesetzung einige Levels bewältigen muss. Das kann positiv sein, weil man dadurch auch mal Charaktere ins Team nimmt, die man sonst nicht drin hat, es kann aber auch problematisch sein, wenn man dann Kämpfe absolvieren muss, ohne einen Charakter mit guten Heilzaubern im Team zu haben.

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Grafik

Die Grafik des Spiels ist typischerweise im Anime-Stil gehalten. Im Vergleich zu den neueren Tales of Spielen, wie Tales of Berseria, merkt man dem Spiel das Alter jedoch an. Auch wenn die Grafik aufgehübscht wurde und nun in Full-HD daherkommt, kommt sie an die aktuellen Serienvertreter noch nicht heran, was durch die Anime-Grafik aber auch nicht allzu schlimm auffällt und zu verschmerzen ist.

Sehr schön animiert sind hingegen die Anime-Sequenzen, die immer mal wieder ins Spiel eingestreut werden und wichtige Storyabschnitte grafisch untermauern.

Ton und Musik

Ein Großteil des Spiels ist mit hervorragenden Sprechern synchronisiert. Dabei hat man die Wahl, ob man die japanische oder die englische Synchronisation hören möchte. Untertitelt ist alles auf deutsch. In beiden Sprachen machen die Sprecher ihren Job sehr gut und die Stimmen passen exzellent zu den Charakteren. Bei jedem Start des Spiels kann man sich zudem die Sprache erneut aussuchen, sodass man je nach Stimmungslage jederzeit die Vertonung ändern kann.

Ein Markenzeichen der Serie ist natürlich auch das Sprechen während der Kämpfe. Lauthals rufen die Protagonisten ihre Attacken und andere Sprüche in hitzigen Gefechten, was erheiternd, aber auch manchmal etwas nervig wirken kann.

Die musikalische Untermalung ist ebenfalls gut gelungen. Die Melodien reichen von schnellen Rhythmen während den Kämpfen bishin zu ruhigen langsamen Stücken in emotionalen Momenten.

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Fazit

Tales of Vesperia ist ein altes Spiel im neuen Gewand. An einigen Stellen merkt man dem Game als Tales of-Fan sein Alter an, was den Spielspaß aber nur geringfügig trübt. Letztlich kann Tales of Vesperia mit einer interessanten und ereignisreichen Story punkten, die von einer tollen Synchronisation und musikalischen Begleitung gestützt wird und Fans von japanischen RPGs viele schöne Stunden bescheren wird.

Spiele-Review: Tales of Vesperia: Definitive Edition [Playstation 4]
8.4 Team
Handlung9.5
Grafik7
Musik8.5
Spielspaß8.5
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