Review: Tsugumomo Vol. 1 [Blu-Ray]

© Yoshikadu Hamada, Futabasha / Tsugumomo committee

Am 29. Juni 2018 startete Nipponart mit der deutschen Veröffentlichung der Animeserie Tsugumomo. Wir hatten Gelegenheit in das erste Volume reinzuschauen und wollen euch unsere Eindrücke natürlich nicht vorenthalten. Wie es uns gefallen hat, das erfahrt ihr natürlich in unserer Review.

Achtung, ab dieser Stelle wie gewohnt: Spoiler voraus!!!

Kein gewöhnlicher Obi!

Eines vorweg: Wenn nachfolgend von einem Obi die Rede ist, handelt es sich dabei natürlich nicht um eine Filiale der bekannten Baumarktkette, sondern um einen traditionellen Gürtel aus Stoff, der in Japan in Kombination mit einem Kimono getragen wird. 😉 Der Junge Kazuya besitzt genau so einen Obi, der jedoch seiner Mutter gehört hat, an die er sich kaum erinnern kann. Der Gürtel ist ihm gar so wichtig, dass er ihn jeden Tag in seiner Tasche mit zur Schule nimmt.

Eines Tages findet er auf dem Schuldach eine Perücke. Als er gerade vorbeigehen möchte, erwacht diese zum Leben und greift Kazuya an. Ein Glück, dass sein Obi kein normales Stück Stoff ist, sondern ein Tsukumogami, ein Gegenstand, der nach langer Zeit eine Seele erhält und zum Leben erwacht. Dieser Tsukumogami nimmt in Kazuyas Fall die Form eines menschlichen Mädchens namens Kiriha an. Kiriha verteidigt ihn gegen die zum Leben erwachte Perücke, bei der es sich ihren Erklärungen zu Folge um einen Amasogi handelt – einen Gegenstand, der durch einen starken Wunsch seines Besitzers zu einem übernatürlichen Wesen wird. Dass Kazuya sich möglicherweise als ihr Meister betrachten könnte, unterbindet Kiriha übrigens direkt, indem sie ihn eigenmächtig zu ihrem Schoßhündchen macht.

Ein Amasogi kommt selten allein…

Kiriha in ihrer Menschenform daheim zu haben stellt Kazuya vor ungeahnte Herausforderungen. Zwar ist sein Vater auf Geschäftsreise, doch seine große Schwester soll – wenn möglich – auch nichts von seiner neuen Zimmerbewohnerin mitbekommen. Ein Glück, dass er es mit Pudding schafft, sich Kiriha zumindest zu einem Teil gefügig zu machen. Doch wie sich herausstellt, hält die Tsukumogami nicht viel von Weckern und will Kazuya auch weiterhin zur Schule begleiten.

In seiner Klasse ist auch seine Kindheitsfreundin Chisato, die durch ihren Wunsch mit Kazuya zusammen zu lernen einen mächtigen Amasogi heraufbeschwört. In diesem Zusammenhang lernen wir auch gleich eine weitere Methode kennen, wie man den Amasogi zu Leibe rücken kann. Abgesehen von einem direkten Kampf ist es nämlich auch möglich, den Wunsch des Erschaffers zu erfüllen. Genau das gelingt Kazuya mit Kirihas Hilfe im Falle von Chisato, auch wenn er ihre Absichten – typisch für den klassischen Romance-Comedy- oder Harem-Anime Protagonisten – natürlich völlig falsch deutet.

Der Ursprungsfluch

Es ist schon auffällig, dass übernatürliche Phänomene wie die Amasogi immer in Kazuyas Nähe auftauchen. Wie sich herausstellt liegt dies am Ursprungsfluch, der für die Existenz des Übernatürlichen unerlässlich ist und normalerweise durch den Gott des jeweiligen Gebiets in Schach gehalten wird. Wie es der Zufall will, wird Kazuya von eben diesem Gott zu sich gerufen. Dabei handelt es sich um Kukuri, die ihn dazu zwingen will, als Exorzist und Reiniger in ihrem Gebiet zu agieren, um die übernatürlichen Phänomene im Zaum zu halten. Laut ihrer Beschreibung wohnen Kazuya Eigenschaften inne, die die Amasogi magisch anziehen.

Kiriha hat jedoch einiges dagegen, dass Kazuya für Kukuri arbeitet und so kommt es zum Kampf zwischen ihr und der Wassergöttin. Dabei trifft Kazuya in einer Vision auf seine Mutter und lernt Kirihas waren Namen und Techniken, mit denen er sich die Kraft des Obi zu eigen machen kann. Dennoch muss er eine Niederlage einstecken und wird fortan zum Reiniger des Ursprungsfluchs…

Klischeebehaftet, aber mit guten Ansätzen

Sind wir mal ehrlich: Tsugumomo erfindet das Rad in den ersten Episoden nicht neu. Dafür werden wir mit zu vielen Szenen konfrontiert, die wir so oder so ähnlich schon in anderen Animes gesehen haben. Das ist natürlich typisch für Comedy-Animes mit Ecchi-Elementen. Dabei kommen einem sofort die Szenen mit Kazuya und Kiriha im Bad in den Sinn, oder auch Kirihas Tsundere-Tendenzen, Chisato als Kindheitsfreundin mit tiefergehenden Gefühlen und noch einige weitere Situationen. Insofern sollte man mit gemäßigten Erwartungen an die Serie herangehen, die jedoch einige gute Ansätze zu bieten hat.

Dabei ist vor allem die Tatsache hervorzuheben, dass der Zuschauer trotz umfangreichem Fanservice auch eine nicht ganz uninteressante Handlung präsentiert bekommt. Die Action rund um die Kämpfe mit den Amasogi sowie Kazuyas neue Aufgabe als Ursprungsfluchreiniger bieten auf jeden Fall eine gute Basis für eine solide Rahmenhandlung. Die Frage ist nun, was die Serie in den kommenden Folgen aus dieser Basis macht.

Auch die meisten Jokes hat man schon einmal in anderen Animes gehört, was jedoch nicht bedeutet, dass diese einem nicht manchmal ein Schmunzeln auf die Lippen zaubern. Zudem gibt es auch hier einige nette neue Ansätze, bei denen man durchaus lachen muss. Dabei denkt man beispielsweise sofort an eine Szene, in der Kiriha Kazuya zur Schule begleiten möchte und dieser sie geschickt austrickst und in ihrer Obi-Form in einer Schachtel wegschließt. Also bietet die Serie auch in Sachen Humor durchaus Potenzial, doch auch hier muss man abwarten, was die kommenden Folgen bringen.

© Yoshikadu Hamada · Futabasha / Tsugumomo committee
Bild und Animationen

Tsugumomo ist noch keine allzu alte Produktion, daher ist es wenig verwunderlich, dass die Serie im Standardformat von 16:9 und einer Auflösung von 1080p daherkommt. Das Bild ist dabei stets scharf, auch wenn man anmerken muss, dass sich die Macher in den meisten Einstellungen nicht zu sehr mit den Hintergrunddetails auseinandergesetzt haben. Das lässt sich jedoch verschmerzen und führt in der ein oder anderen Szene gar zu einem angenehmen Kontrast zwischen den Charakteren und den Hintergründen. Farblich kommt das Ganze eher standardmäßig daher, auch wenn man sich bei den Haaren der Charaktere (siehe z.B. Kiriha und Kukuri) einige Freiheiten gegönnt hat.

Die Animationen der Serie sind in Ordnung, jedoch nur als durchschnittlich zu bewerten. Schaut man sich beispielsweise das Wasser in der Kampfszene zwischen Kazuya/Kiriha und Kukuri an, sieht man schnell, dass hier noch ein wenig Luft nach oben gewesen wäre. Dennoch kann man ganz gut mit diesen Abstrichen leben, bedenkt man, dass der Fokus der Serie nicht zwingend auf der Action, sondern eher auf Witz und Fanservice liegt.

Ton und Synchronisation

Der deutsche Ton kommt im qualitativ hochwertigen DTS HD MA Format daher und bedient über Mehrkanalsound auch 5.1 Lautsprechersysteme. Tatsächlich liefert uns Tsugumomo bereits in den ersten vier Episoden auch die ein oder andere Kampfszene, die jedoch nicht zu sehr von der guten Tonqualität profitieren können, da sie insgesamt doch recht dialoglastig ausfallen. Ganz anders die Hintergrundmusik. Wer viele Animes schaut, der wird sofort erkennen, dass hier Komponist Yasuharu Takanashi am Werk war. Dieser war bereits für die Musik von Serien wie Naruto Shippuden, Fairy Tail oder Ikki Tousen verantwortlich. Die Parallelen zur Vertonung von Tsugumomo sind dabei schwer zu überhören, das macht jedoch nichts, denn die Musik passt sehr gut zu den entsprechenden Szenen, egal ob es sich um eine lustige Alltagssituation oder eine Kampfhandlung handelt. In diesem Sinne kommt dann auch der Surroundsound gut zur Geltung. Die japanische Tonspur liegt stattdessen im PCM Stereoformat vor, das qualitativ auch hervorragend ist, aber bei der Musik vielleicht nicht ganz den gleichen Impact hat, wie das deutsche Pendant – eine entsprechende Anlage natürlich immer vorausgesetzt!

Die deutsche Synchronisation ist bisher insgesamt gut gelungen. Wer bereits Gelegenheit hatte in „Undefeated Bahamut Chronicle“, die letzte neuere Veröffentlichung von Nipponart, reinzuschauen, der könnte Grund zur Sorge haben, dass man sich auch diesmal wieder ein wenig zu sehr beim Dialogbuch ausgetobt haben könnte – zumal sich das Setting von Tsugumomo dafür durchaus anbieten würde. Glücklicherweise ist diese Sorge bisher unbegründet, denn man ist hier doch deutlich traditioneller an die Sache herangegangen. Natürlich gönnt man sich auch in der Übersetzung von Tsugumomo die ein oder anderen Freiheiten, das alles bewegt sich jedoch auf einem ganz normalen und passenden Niveau.

Die deutschen Sprecher machen ihre Sache bisher wirklich gut. Dabei hat die Serie in den ersten vier Episoden allerdings auch noch keine allzu großen Ansprüche an das Herüberbringen von Emotionen gestellt. Die Wahl der Stimmen zu den jeweiligen Charakteren ist wie immer Geschmackssache. Persönlich konnten wir uns recht schnell an den deutschen Sprechercast gewöhnen, was generell ein ganz gutes Zeichen ist.

Physische Umsetzung

Wie gehabt: Die physische Umsetzung ist wie gewohnt kein Teil unserer Review-Gesamtwertung, wir möchten sie euch als potenziellen Käufern jedoch nicht vorenthalten, so dass ihr wisst, was ihr bei einem Kauf des Produkts zu erwarten habt. Die nachfolgenden Informationen und Bilder beziehen sich dabei auf die Blu-Ray-Version des ersten Volumes von Tsugumomo.

Tsugumomo Vol. 1 kommt ganz standardmäßig in einer Amaray-Blu-Ray-Hülle daher. Auf dem Cover ist dabei die weibliche Protagonistin Kiriha abgebildet. Dass ein unschönes FSK-Zeichen auf dem Cover prangt, kann man glücklicherweise ignorieren, denn Nipponart liefert die Serie mit Wendecovern aus, auf deren Alternativseite keine Kennzeichnung vorhanden ist. Der Clou: Die vom äußeren Cover bekannte Illustration von Kiriha ist auf der Wende-Rückseite unzensiert zu sehen. Ebenso verhält es sich mit dem beiliegenden Sticker und der Front des Booklets, die sich als Extras in der Hülle befinden. Auch hier diese werden vom gleichen unzensierten Motiv geziert. Aus diesem Grund haben wir auf Fotos dieser Parts verzichtet.

Umfangreiche digitale Extras sucht man allerdings vergebens. Auf der Disc, die die ersten vier Episoden der Serie enthält, wird nur eine Trailershow mitgeliefert.

Fazit

Insgesamt liefert der Anfang von Tsugumomo dem Zuschauer keine Flut von neuen Ideen, sondern bedient eher gewohnte Fanservice-Klischees. Dabei hält man sich jedoch noch einigermaßen zurück, auch wenn es natürlich die obligatorischen nackten Brüste und Höschenblitzer zu sehen gibt. Dennoch schafft man es eine Geschichte einzuleiten, die die Basis für eine interessante Handlung sein könnte. Ob der Anime dies jedoch umsetzen kann, bleibt abzuwarten. Generell muss man zudem positiv anmerken, dass die Serie einige interessante Ansätze zu bieten hat und man bei dem ein oder anderen Witz oder der ein oder anderen lustigen Szene durchaus lachen muss. Insofern gibt es auch hier Potenzial für mehr, die Frage ist nur, ob dieses in den weiteren Episoden ausgeschöpft wird.

Gepaart mit einer soliden Synchronisation und einem guten Bild mit leichten Schwächen ist die Serie – zumindest bisher – durchaus einen Blick wert. Man muss jedoch schon mit Fanservice klarkommen können, denn allein die Handlung reicht nicht aus, um Personen, die mit Fanservice gar nichts anfangen können, zum Kauf zu raten.

Review: Tsugumomo Vol. 1 [Blu-Ray]
6.9 Team
Handlung7
Charakterentwicklung6
Animation7.5
Synchronisation7.5
Unterhaltung6.5
ALLGEMEINE DATEN

Veröffentlichung: 29. Juni 2018

Publisher:  Nipponart

Genre: Comedy, Ecchi, Supernatural, Action

Laufzeit: ca. 100 Minuten

FSK: 16

Bild: 1080p

Ton/Sprache: DTS HD MA 5.1 Deutsch und PCM Stereo Japanisch

Untertitel: Deutsch

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Handlung:

Eines Tages begegnet Kazuya Kagami, ein ganz normaler Junge, der wunderschönen Kiriha, welche in einem Kimono gekleidet ist. Auch wenn Kazuya keine Erinnerung an sie hat, begrüßt sie ihn mit einem freudigen „Lange nicht gesehen!“. Tatsächlich ist Kiriha ein Tsukumogami und in Wirklichkeit der Obi von Kazuyas Mutter, den er seit ihrem Tod bei sich trägt. Alle möglichen bizarren Ereignisse geschehen um die sadistische Schönheit, die in Kazuyas Leben getreten ist und dabei hat diese Actionkomödie gerade erst ihren Anfang gefunden!

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