Interview mit Hiro Mashima: Über seine Arbeit, Fairy Tail und die Zukunft

Anfang Oktober waren wir für euch auf der New York Comic Con 2017 unterwegs. Dort hatten wir Gelegenheit, gemeinsam mit anderen Pressevertretern, ein ausführliches Interview mit Fairy Tail-Schöpfer Hiro Mashima zu führen. Der bekennende Fantasy-Fan macht keinen Hehl daraus, dass er eigentlich gar nicht so gerne unter Leuten ist. Dass er sich auf der Convention dennoch so viel Zeit für seine Fans und auch für unser Interview genommen hat, macht ihn daher nur noch sympathischer. Lest bei uns, was Hiro Mashima zu seiner Arbeit, Fairy Tail und der Zukunft zu sagen hat.

Wir wünschen Euch viel Spaß beim Lesen!

Achtung: Das Interview kann leichte Spoiler zu Fairy Tail und Rave Master enthalten!

 

AnimeNachrichten: Wie haben Sie sich als Manga-Zeichner und als Person im Laufe Ihrer Karriere verändert?

Hiro Mashima: Eigentlich mag ich es nicht allzu sehr unter anderen Menschen zu sein. Tatsächlich mag ich es nicht einmal besonders, mich mit Leuten zu unterhalten, aber durch die Arbeit an meinem Manga war ich tatsächlich in der Lage mit der ganzen weiten Welt zu kommunizieren, was ich immer noch irgendwie unglaublich finde.

Obwohl eher ein Einzelgänger, nimmt sich Hiro Mashima dennoch Zeit für seine Fans!

AnimeNachrichten: Was denken Sie, was der aktuellen Generation von Shonen-Manga fehlt, von dem Sie gerne mehr sehen würden?

Hiro Mashima: Also, in Japan gibt es eine Art von Fluch für Shonen-Manga im Science-Fiction Genre. Irgendwie ist keiner davon extrem erfolgreich. Wenn es um Manga für etwas ältere Teenager oder Erwachsene geht, gibt es jede Menge Sci-Fi Manga. Bei echten Shonen-Manga, wie sie beispielsweise im Shonen Magazine oder in der Shonen Jump erscheinen, gibt es aber tatsächlich kaum erfolgreiche Science-Fiction Manga. Wenn man also ein Neuling als Manga-Zeichner ist, könnte es sich vielleicht lohnen, dieses Genre zu erkunden.

AnimeNachrichten: Haben Sie jemals darüber nachgedacht, noch einmal zur Welt von Rave Master zurückzukehren?

Hiro Mashima: Bei den ganzen Autogrammstunden, die ich hier auf der New York Comic Con bereits erlebt habe, haben sich viele Leute tatsächlich Charaktere aus Rave Master als Zeichnung gewünscht. Dabei habe ich aber gemerkt, dass ich bei einigen Figuren bereits vergessen habe, wie man sie zeichnet. Es könnte also recht schwierig sein, noch einmal zu Rave Master zurückzukehren.

AnimeNachrichten: Kann jeder in der Welt von Fairy Tail jede Art von Magie erlernen?

Hiro Mashima: Wenn irgendjemand in der Welt von Fairy Tail eine neue Art von Magie erlernen will und nur hart genug trainiert, dann sollte er auch in der Lage sein, diese Magie zu erlernen. Vielleicht wird es in der Hauptgeschichte gar nicht erwähnt, aber es gibt jede Menge Charaktere, die durch hartes Training in der Lage waren, die Magie zu erlangen, die sie angestrebt haben. In der Gilde Fairy Tail arbeiten aber alle zusammen und unterstützen sich, also liegt der Fokus der meisten Charaktere eher darauf, ihre eigene Magie, die sie besonders gut beherrschen, weiterzuentwickeln und damit dem Rest der Gilde zu helfen.

AnimeNachrichten: Die weiblichen Charaktere in Fairy Tail sind fast alle gleichzeitig stark, sexy und selbstbewusst. Was hat Sie dazu bewogen, die Frauen in der Welt von Fairy Tail so darzustellen?

Hiro Mashima (lacht): Das ist ehrlich gesagt das, was ich selbst an Frauen mag. Man könnte also sagen, es war einfach mein eigener Geschmack und irgendwie mein Wunsch.

AnimeNachrichten: Wenn Sie selbst in der Welt von Fairy Tail währen und für die Gilde auf eine Mission gehen müssten, welche drei Charaktere würden sie auf die Mission mitnehmen?

Manchmal kann sich der sympathische Mangaka ein Lachen nicht verkneifen.

Hiro Mashima (lacht wieder): Lucy, Erza, Juvia

AnimeNachrichten: Bei Fairy Tail mag ich besonders den Edolas Arc. Wie war es für Sie, die ganzen Edolas-Gegenstücke der Charaktere zu entwerfen, die Sie zuvor schon erdacht hatten?

Hiro Mashima: Ich hatte auch sehr viel Spaß dabei, den Edolas Arc zu zeichnen. Ich habe mich dabei darauf fokussiert, das komplette Gegenteil der Charaktere in der realen Welt in der Edolas Welt zu erschaffen. In einigen Fällen, wie beispielsweise bei Mirajane, gibt es aber kaum Unterschiede zwischen den Charakteren in beiden Welten, was auch irgendwie lustig ist. Vielleicht wissen es nicht allzu viele Leute, aber der König, der in der Welt von Edolas vorkommt, ist tatsächlich die Edolas-Version von Makarov.

AnimeNachrichten: Haben Sie sich in den 11 Jahren, in denen Sie an Fairy Tail gearbeitet haben, jemals Sorgen um die Kontinuität der Geschichte gemacht, beispielsweise, dass es immer möglich ist, vergangene Gegebenheiten in der Zukunft zu erklären, ohne, dass logische Fehler auftreten?

Hiro Mashima: Daran habe ich nur ein bisschen gedacht, aber es hatte nicht die höchste Priorität für mich. Ich fand es wichtiger, die Geschichte aufregend zu gestalten, indem ich die Emotionen jedes Charakters in den Vordergrund gerückt habe. Wenn Fans also Fehler in der Logik der Handlung entdeckt haben, war ich tatsächlich eher aufgeregt zu erfahren, dass die Leute tatsächlich so stark in die Geschichte eingetaucht sind.

AnimeNachrichten: Welchen Charakter vermissen Sie besonders?

Hiro Mashima: In der Geschichte gibt es einen Charakter namens Brandish und ich würde mir ehrlich wünschen, mehr von ihr zeichnen zu können.

AnimeNachrichten: Ein besonders interessanter Charakter ist Zeref. Er ist nicht der typische Bösewicht, sondern eher eine tragische Figur. Warum haben Sie den Charakter so erschaffen?

Hiro Mashima: Ich wollte keinen typischen Bösewicht erschaffen, also habe ich irgendwie alle Elemente und Referenzen, die ich in mir kultiviert hatte, genommen und habe sie in diesen Charakter gepackt. Daraus ist dann diese hochkomplexe Persönlichkeit entstanden, die sich Zeref nennt. Ehrlich gesagt ist er voller Widersprüchlichkeiten und das ist irgendwie sein Markenzeichen.

AnimeNachrichten: Gibt es einen Charakter, über den sie gerne noch ein wenig mehr erzählt hätten oder haben sie tatsächlich alle Haupt- und Nebengeschichten der Charaktere erzählt und es gab nicht mehr viel zu sagen?

Hiro Mashima: Einer der Charaktere, der mir dabei gleich in den Sinn kommt, ist Acnologia, der vor allem im finalen Story-Arc vorkommt. Ursprünglich hatte ich ein viel tiefergehendes Setting für diesen Charakter geplant, doch dann musste ich das Momentum der Geschichte und die Kämpfe der Hauptcharaktere priorisieren, so dass ich nicht wirklich darauf eingehen konnte. Vielleicht habe ich aber irgendwann einmal Gelegenheit, die Geschichte von Acnologia weiter zu ergründen…

AnimeNachrichten: Manchmal sah es so aus, als würden wichtige Charaktere in Fairy Tail sterben, aber Sie haben sie immer wieder zurückgebracht. Warum haben Sie sich in dieser Reihe gegen Tode entschieden?

Hiro Mashima: Das hat damit zu tun, dass in meinem vorherigen Werk Rave Master einige Charaktere gestorben sind, wodurch es zu einer traurigen Geschichte wurde. Das wollte ich diesmal nicht. Hinzu kommt, dass es von Leservotings und Feedback abhängt, ob dein Manga weiter in einem Magazin veröffentlicht wird, wenn du an einer wöchentlichen Reihe arbeitest. Um ehrlich zu sein, sind Kapitel, in denen wichtige Charaktere sterben, natürlich extrem unpopulär. Da ich mir dessen natürlich bewusst war, habe ich mich dafür entschieden, dass in meiner Geschichte niemand stirbt.

AnimeNachrichten: Viele andere Zeichner wissen bereits bevor sie mit ihrem Werk starten, wie die letzte Seite ihrer Geschichte aussehen wird. War das für Sie bei Fairy Tail genauso?

Hiro Mashima: Um ehrlich zu sein hatte ich die finale Szene nicht wirklich im Kopf, als ich die Reihe begonnen habe. Die Tatsache, dass niemand genau wusste in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln würde, war eigentlich das Beste an der Arbeit an Fairy Tail. Nur ein Beispiel: Ein Kapitel endet mit einem extremen Cliffhanger und ein Charakter steckt ziemlich in der Klemme: Was passiert als nächstes? Das ist ehrlich gesagt die Frage, die ich mir dann selbst gestellt habe und ich musste wirklich darüber nachdenken.

Hiro Mashima zeichnet für uns Happy.

AnimeNachrichten: Was war für Sie der Grund Fairy Tail zu beenden?

Hiro Mashima: Der Grund, aus dem ich mich dafür entschieden habe, Fairy Tail zu beenden, war, dass ich mich wirklich an der Herausforderung einer neuen Reihe versuchen wollte.

AnimeNachrichten: Nachdem Sie Fairy Tail abgeschlossen hatten, wie haben Sie sich nach dem Aufwachen am nächsten Morgen gefühlt?

Hiro Mashima: Tatsächlich habe ich mich irgendwie einsam gefühlt, also habe ich direkt angefangen zu zeichnen.

AnimeNachrichten: Gibt es etwas, das Sie von ihrer Arbeit an Fairy Tail mitnehmen können, das Ihnen das Leben leichter macht, sobald Sie ihre nächste Geschichte beginnen?

Hiro Mashima: Eines der Dinge, die ich bei meiner Arbeit an Fairy Tail gelernt und meiner Meinung nach gemeistert habe, ist es, vielen verschiedenen Charakteren problemloser einzigartige Persönlichkeiten zu verleihen. Das ist etwas, das ich gerne bei der Arbeit an meiner nächsten Reihe anwenden würde.

AnimeNachrichten: Nach mehr als 10 Jahren mit den Fairy Tail Charakteren, freuen Sie sich schon darauf viele neue Charaktere zu treffen oder sind Sie eher traurig, die bekannten Charaktere zurückzulassen?

Hiro Mashima: Ich habe große Hoffnungen für eine mögliche neue Geschichte, also freue ich mich auch schon auf die neuen Charaktere.

AnimeNachrichten: Sind die Bilder von Charakteren, die Sie auf Twitter posten, eine Art Erinnerung daran, wo sich die Charaktere gerade in der Story befinden, oder zeichnen Sie sie nur aus Spaß oder nur, um uns an die Charaktere zu erinnern, die Sie besonders mögen? Oder steckt noch etwas anderes hinter den Zeichnungen, die Sie aktuell auf den sozialen Medien veröffentlichen?

Hiro Mashima: Die Bilder, die ich auf meinen sozialen Medien poste, sind eigentlich nur mein Gekritzel. Sie haben nichts mit den Hauptteilen der Story zu tun. Natürlich möchte ich, dass sich die Leute an die Charaktere erinnern, das ist einer meiner Gründe, aber es macht mir auch einfach viel Spaß, die Charaktere zu zeichnen. Ich habe schon eine Reihe von Charakteren für meine nächste Geschichte im Kopf, aber ich kann sie natürlich nicht in den sozialen Medien posten, was der Grund dafür ist, dass ihr momentan das auf meinen Accounts seht, was ihr seht.

AnimeNachrichten: Einige Manga-Reihen, wie bspw. Dragon Ball, sind nach einer Pause wieder zurückgekehrt. Haben Sie für Fairy Tail in Zukunft ähnliche Pläne oder haben Sie bereits die ganze Geschichte erzählt und das war’s?

Hiro Mashima: Aktuell denke ich, dass ich eigentlich alles erzählt habe, wenn es um die Welt von Fairy Tail geht. Doch wer weiß? Vielleicht ändere ich meine Meinung, sobald einige Jahre vergangen sind.

Unser Andenken: das fertige Shikishi

AnimeNachrichten: Wenn man an Fairy Tail und Rave Master denkt haben Sie hauptsächlich an großen Fantasy-Adventure Reihen gearbeitet. Würden Sie das in Zukunft gerne weiterverfolgen oder gibt es andere Genres, die Sie interessieren?

Hiro Mashima: Ich selbst mag das Fantasy-Genre einfach im Allgemeinen unheimlich gerne. Wenn ich also dazu kommen sollte, eine neue Manga-Reihe zu starten, würde ich mich gerne wieder an einer Fantasy-Geschichte versuchen. Allerdings ist der Ansatz jeder Reihe recht unterschiedlich: Während es bei Rave Master beispielsweise um eine Gruppe von Leuten geht, die versucht die ganze Welt zu retten, handelt Fairy Tail eher von den engen Bindungen und Freundschaften der Charaktere. Wenn ich also an einer weiteren Fantasy-Reihe arbeiten sollte, würde ich gerne wieder einen neuen Ansatz ausprobieren.

AnimeNachrichten: Können Sie uns schon mitteilen, wann Sie voraussichtlich Ihre nächste Reihe starten?

Hiro Mashima (lacht): Der Chefredakteur hetzt mich aktuell darüber nachzudenken. Ich kann noch nicht genau sagen wann, aber ich hoffe mein nächstes Werk irgendwann im kommenden Jahr starten zu können.

AnimeNachrichten: Vielen Dank!

[Anmerkung: Da es sich bei dem Termin um ein Presseinterview im Q&A-Stil gehandelt hat, sind nicht alle hier abgedruckten Fragen von uns. Der Einfachheit halber steht dennoch vor jeder Frage unser Name.]

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